Der äußere Genius
Ein beeindruckendes Video über den Umgang mit der eigenen Schöpfungskraft kreuzte neulich meinen Weg durch das Netz. Die Bestseller-Autorin Elizabeth Gilbert erzählt darin über die Launenhaftigkeit der eigenen Kreativität und animiert Berufskreative dazu, sich die launenhafte Muse zur Freundin zu machen.
Dafür räumt Gilbert erst einmal mit dem Klischee des psychisch labilen Künstlers auf und stellt die berechtigte Frage, ob wir den kreativen Schaffensprozess nicht gerade wegen dieses Klischees als ein so leidvolles Unterfangen betrachten. Sind kreative Flauten und künstlerische Leidenswege nicht in Wirklichkeit hausgemacht?
Um dem elenden Leiden aus Perfektionsdruck und der daraus folgenden Kreativ-Blockade zu entkommen, hat Elizabeth Gilbert einige tolle Strategien parat. Sie schlägt z.B. vor, den inneren Genius in eine äußere Instanz zu verwandeln, wie es bei den alten Griechen und Ägyptern üblich war. Der Dialog mit der eigenen Muse kann wahre Wunder wirken. Denn er nimmt den Erfolgsdruck von den eigenen Schultern und ermöglicht es, sich mit reinem Gewissen auf das eigene Handwerk zu konzentrieren.
Inspiriert wurde Gilbert zu dieser Technik übrigens von Tom Waits, der gelegentlich auch schon mal lautstarke Verhandlungen mit seiner Muse zu führen pflegt. Wenn es im Dienste der Kunst steht und das Leiden lindert, ja warum denn nicht?




